Der 24. Februar 2022 markiert eine tiefgreifende Zäsur unserer Zeit. Mit dem seither andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem Machtwechsel in den USA seit dem 20. Januar 2025 sind maßgebliche Koordinaten bisheriger politischer Orientierung brüchig geworden. Sicherheits- und militärpolitische, aber auch erinnerungskulturelle Gewissheiten sind infrage gestellt. »Zeitenwenden« sehen wir vielerorts: im demokratiebedrohenden Aufstieg von rechtspopulistischen und rechtsextremistischen Parteien, im virulenten, oft gewalttätigen Rassismus und Antisemitismus sowie in anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, in der fatal inhumanen migrationspolitischen Polarisierung, in der wissenspolitischen Dominanz digitaler Plattformökonomien und manipulierter Weltwahrnehmungen. Diese strukturellen Umbrüche haben auch weitreichende Folgen für die Kultur des Erinnerns im Allgemeinen ebenso wie für Gedenkstätten und historisch-politische Bildung im Besonderen.
Wie verändern sich Friedensvorstellungen im Kontext von Bedrohung und Zerfall von Sicherheitsvorstellungen? Welche Folgen hat dies für die Position von Militär in der Gesellschaft? Welche Herausforderungen sind mit der postmigrantischen Gesellschaft für die erinnerungskulturelle Arbeit verbunden: mit Blick auf die Auseinandersetzung mit der Kolonialismusgeschichte und hinsichtlich der Einbeziehung von Menschen mit Einwanderungsgeschichte? Was verstehen wir heute unter Gegenwartsrelevanz der Vermittlungsarbeit?


