Michael Gartenschläger versuchte drei Mal eine Splittermine vom DDR-Grenzzaun abzubauen. Beim dritten Versuch wurde er durch ein Stasi-Spezialkommando erschossen.
Die Waffe wurde in den 1960er Jahren entwickelt, um die DDR-Grenzanlagen noch unüberwindbarer zu machen. Ihre tödlichen Wirkungen auf Menschen nahmen die Verantwortlichen als Abschreckung bewusst in Kauf. 1971 begann die Montage der Waffe am Streckmetallzaun. Entgegen den Erwartungen der Verantwortlichen entwickelte sich die Waffe aufgrund der Grenztoten und -verletzten sowie ihrer technologischen Mängel zu einem Kernproblem der DDR-Grenzanlagen Anfang der 1980er Jahre. Einer der letzten Opfer dieser Minensperre war der Wismarer Ingenieur Harry Weltzin, der nahe Kneese beim Untergraben des Grenzzaunes Splitterminen auslöste und getötet wurde. Für die DDR-Grenztruppen völlig überraschend verkündete Erich Honecker im Oktober 1983 den Abbau aller Minen an der innerdeutschen Grenze.
Wie kam es zum An- und Abbau dieser Waffe? Wer trug die Verantwortung für den Einsatz der SM 70 und wer waren die Opfer der Splittermine? Diesen Fragen geht der Referent in seinem Vortrag nach.
Dr. Jochen Staadt ist ein Spezialist für die Fragen der SED-Diktatur und der DDR-Grenzsicherung. Geb. 1950, Studium der Germanistik und der politischen Wissenschaft an der FU Berlin. Er war bis 2024 Projektleiter am „SED-Forschungsverbund“ der FU Berlin. In zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigte er sich mit der Geschichte der westdeutschen Studentenbewegungen und der DDR-Geschichte. Gemeinsam mit Prof. Klaus Schroeder koordinierte und publizierte er das Forschungsprojekt „Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes“.


