Beihilfe zum Völkermord. Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier. Buchlesung und Gespräch mit Jürgen Gottschlich.

Format: Vortrag, Lesung, Diskussion
| Schleswig-Holstein-Haus (Schwerin)
Puschkinstraße 12 | 19055 Schwerin
Veranstalter: Landeszentrale für politische Bildung

Am 24. April 1915 wurde im Osmanischen Reich auf Befehl der jungtürkischen Bewegung die armenische politische und kulturelle Elite Istanbuls verhaftet, ins Landesinnere verschleppt und größtenteils ermordet. In der Folge kam es zu zahlreichen weiteren Deportationen und Massakern.

Das Deutsche Reich wollte im Ersten Weltkrieg im Orient mit seinem Verbündeten, dem Osmanischen Reich, Weltmachtstatus zu erlangen. Für dieses Ziel ließ das deutsche Kaiserreich das Morden an den Armeniern geschehen, deckte es und nahm die Mörder in Schutz. Aus der angeblichen Umsiedlung der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich in Richtung syrische Wüste wurde von türkischer Seite schnell ein Völkermord. Ihm fielen mehr als eine Million Menschen zum Opfer, was die deutsche Regierung als »hart, aber nützlich« akzeptierte. Bedenken von Diplomaten und Kirchenvertretern wurden beiseite gewischt. Nach dem Ersten Weltkrieg fanden die türkischen Verantwortlichen für diesen Völkermord Asyl in Deutschland und es wurde versucht, das wahre Ausmaß der Massaker an den Armeniern vor der deutschen Bevölkerung zu verschleiern.

Jürgen Gottschlich ist an die Orte der damaligen Ereignisse gereist, hat Nachkommen der betroffenen Familien befragt sowie deutsche und türkische Archive durchforscht. Entstanden ist eine spannende historische Reportage, die die ganze Dimension der deutschen Verstrickung in den Genozid offenlegt und die Auseinandersetzungen um dieses umstrittene Geschehen bis in die Gegenwart verfolgt.

Jürgen Gottschlich, Jahrgang 1954, Studium der Philosophie und Publizistik in Berlin, 1979 Mitbegründer der taz, bis 1993 dort als Journalist tätig, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur, ab 1980 regelmäßige Reportagereisen in die Türkei, 1994 stellvertretender Chefredakteur der Wochenpost, seit 1998 Korrespondent für verschiedene Zeitungen in Istanbul.

Der Eintritt ist frei.
Um Anmeldung wird gebeten.