Tagung
| Historisch-Technisches Museum Peenemünde (HTM) | Peenemünde
Im Kraftwerk, 17449 Peenemünde

Veranstalter: Landeszentrale für politische Bildung

Landesgedenkstättenseminar Mecklenburg-Vorpommern

Dieses Landesgedenkstättenseminar wird sich mit Fragen des Erinnerns an den Nationalsozialismus im Wechsel der Generationen beschäftigen. Im Jahr 1992 sollte in Peenemünde der fünfzigste Jahrestag des weltweit ersten erfolgreichen Fluges einer Großrakete am 3. Oktober 1942 gefeiert und dieses Ereignis zum Anlass genommen werden, einen Ort zur Werbung für die deutsche Raketenindustrie zu schaffen. Damit wurde einseitig der Beginn des Raumfahrtzeitalters erinnert und der historische Rahmen dieser Innovation verdrängt, die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit hergestellt und als Kriegsverbrechen geplant und eingesetzt wurde. Entsprechend empört waren die internationalen Reaktionen auf das Vorhaben. Der Vorwurf, Deutschland wolle sich nach der Wiedervereinigung seiner verbrecherischen Geschichte entledigen, erzeugte einen politischen Skandal, und die Veranstaltung wurde nie durchgeführt. Diese Episode zeigt die tagespolitische Bedeutung der Erinnerung an die Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs - zumindest vor einer Generation. Das Seminar möchte ausgehend von diesem Beispiel der Frage nachgehen, wie sich die Erinnerung in den letzten 25 Jahren verändert und welche Bedeutung die Geschichte im öffentlichen Bewusstsein, dem Schulunterricht, der politischen Bildung und als Teil einer differenzierten europäischen Erinnerung heute hat. In Fachvorträgen, einer Podiumsdiskussion und verschieden Arbeitsgruppen werden die Fragen des Wandels der Erinnerung im 21. Jahrhundert ebenso diskutiert, wie Angebote, mit denen man heute Besucher/innen erreichen und interessieren kann.

10.00 Uhr Eröffnung
- Michael Gericke, Geschäftsführer des Historisch- Technisches Museums Peenemünde
- Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern

10.15 Uhr Vorträge
- Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin „Erinnern im 21. Jahrhundert“
- Dr. Philipp Aumann, HTM Peenemünde, Daniel Brandau, TU Braunschweig „Zur (Un-) Vereinbarkeit der Peenemünder Innovations- und Verbrechensgeschichte von 1942 bis heute“

anschl. Ausstellungseröffnung: „Erinnerungs-Skandal: 50 Jahre Raketenstart 1942 / 1992“

kurze Kaffeepause (Besichtigung der Ausstellung im Tagungsraum verbunden mit Kaffeepause)

11.30 Uhr Orte des Nationalsozialismus als Erinnerungsplattformen. Erinnerungswandel und heutige Bedeutung
- Dr. Karol Mazur, Museum des Warschauer Aufstands, Warschau
- Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
- Hanna Nowak-Radziejowska, Direktorin des Polnischen Instituts, Berlin
- Prof. Dr. Oliver Plessow, Universität Rostock
- Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der „Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten“, Celle
- Dr. habil. Pierre-Frédéric Weber, Universität Szczecin
Moderation: Dr. phil. habil. Thomas Stamm-Kuhlmann, Universität Greifswald

13.00 Uhr Mittagspause mit Imbiss

13.45 Uhr Führungen durch Ausstellungsbereiche im HTM

1. Sonderausstellung „Der Warschauer Aufstand 1944”, Dr. Karol Mazur, Warschau
2. Sonderausstellung „Imprinting History“, Dr. Philipp Aumann, HTM Peenemünde
3. Dauerausstellung „Die Enden der Parabel“, Ute Augustat, HTM Peenemünde

14.15 Uhr Stand der Erinnerung heute – ein Erfahrungsaustausch

Panel 1: Erinnerung – national vs. europäisch Input: Dr. habil. Pierre-Frédéric Weber, Universität Szczecin & Dr. Karol Mazur, Museum des Warschauer Aufstands
Moderation: Fabian Schwanzar, Jugendbegegnungsstätte Golm, Kamminke

Panel 2: Zeitzeugen – Emotion vs. Rationalität Input: Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der „Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten“, Celle
Moderation: Carmen Lange, Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald, Wittstock

Panel 3: Gegenwartsbezug Input: Prof. Dr. Oliver Plessow, Universität Rostock
Moderation: Dr. Nils Köhler, Erinnerungs-, Bildungsund Begegnungsstätte Alt Rehse

15.30 Uhr Kaffeepause 15.50 Uhr Ergebnispräsentation 16.30 Uhr Ende der Veranstaltung

Die Veranstaltung ist als Lehrerfortbildung anerkannt.

Das Landesgedenkstättenseminar ist eine Kooperationsveranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern mit dem Historisch-Technisches Museum Peenemünde (HTM). 


Anmeldung und Kontakt


Historisch-Technisches Museum Peenemünde
Tel. +49 (0) 38371 5050
E-Mail: htm@peenemuende.de